Das Handwerk – Der Hände Werk

As you gain skill, you’re also gain a feeling of genuine confidence.
Jeff Haden

Die deutsche Sprache hat das treffende Wort „Handwerk“ für alles, was mit den Händen erschaffen wird und sogar zur Bezeichnung eines ganzen Berufszweiges: Das Handwerk. Die Weisheit unserer Sprache drückt den Prozess des Erschaffens durch und mit unseren Händen so perfekt aus, wie kaum ein anderes Wort. Das Hand-Werk. Der Hände Werk. Das Werk der Hände. Wenn wir uns das Wort einmal genauer anschauen, dann stellen wir fest, dass es die Hände als den Erschaffenden, den Kreierenden tituliert. Natürlich steckt der Rest unseres Körpers mit daran und vor allem werden unsere wunderbaren Hände von uns geführt, den Erschaffenden, den Kreierenden, doch ohne unsere Hände wären wir nicht in der Lage unsere Ideen, unsere Visionen in die Realität umzusetzen – sie im wahrsten Sinne des Wortes zu er-schaffen.

Ein unvergleichlich wunderbares Geschenk – unsere Hände.

Das Handwerk hat im Vergleich zu anderen Berufsbereichen eine einmalige Stellung in unserer Gesellschaft. Es fasst zum einen alle erschaffenden Berufe zusammen und blickt zum anderen auf jahrhundertealte Traditionen zurück. Kein anderer Berufszweig bildet eine so harmonische Symbiose zwischen traditionellem Wissen und zukunftsorientierter Innovation. Es ist wahrlich einzigartig. Hinzukommt, dass das Handwerk in Deutschland auch ein in sich geschlossenes System der täglichen Ausübung und der Ausbildung der nachfolgenden Generationen ist. Man könnte sagen, die Handwerksausbildung ist etwas typisch deutsches, die es so in keinem anderen Land auf der Welt gibt. Obwohl es über 130 unterschiedliche Handwerksberufe in Deutschland gibt, ist das Handwerk als Berufszweig auch die Bezeichnung einer Gruppe, die sich über ein Gefühl der Zugehörigkeit und Verbundenheit über alle Gewerke hinweg auszeichnet. Egal, ob du Bäcker, Maler, Maurer, Friseur oder Mechaniker bist, der gegenseitige Respekt und das Gefühl der Verbundenheit ist berufsüberschreitend. Handwerker sind die mit den Händen Erschaffenden.

Das Handwerk – Fundament unserer Gesellschaft

Während der Corona Pandemie wurde zum ersten Mal spür- und sichtbar, welch wichtige Rolle das Handwerk und Handwerker in unserer Welt spielen. Ich würde so weit gehen und behaupten, dass unsere Gesellschaft bei allen technologischen Fortschritten und Innovationen nach wie vor auf das Handwerk angewiesen ist und es auch immer sein wird. Das Handwerk ist eines der Fundamente unserer Gesellschaft, unserer Zivilisation und nie zuvor wurde die Wichtigkeit der Menschen, die ein Handwerk ausüben, stärker deutlich.
Handwerker zu sein ist eine Ehre. Menschen, die sich dazu entscheiden, ihre Hände in den Dienst der Menschen zu stellen, verdienen den höchsten Respekt und unsere tiefste Wertschätzung.

Handwerksausbildung – Gewinn einer Fähigkeit

Was einen Handwerksberuf von allen anderen anderen Berufen unterscheidet ist, dass man eine Fähigkeit beherrscht, mit der man eine Idee sicht- und greifbar machen kann. In einer Handwerksausbildung erlernt man diese Fähigkeit von anderen Handwerkern, von erfahrenen Gesellen und alten Meistern. Du beginnst die Ausbildung ohne diese Fähigkeit und nach drei Jahren Training hast du sie. Sie ist dein. Sie ist Teil deines Seins geworden und keiner kann sie dir jemals wieder nehmen. Es ist eine Fähigkeit, die du einsetzt, um etwas entstehen zu lassen, was vorher nicht da war. Etwas das sichtbar und benutzbar ist. Außerdem ist es eine Fähigkeit, die du immer einsetzen kannst, um Geld zu verdienen. Eine Fähigkeit, die dich unabhängig und stark macht. Sobald du sie beherrscht, ist sie für dich da. Du kannst sie jederzeit einsetzen, nutzen, auf sie zurückgreifen und das immer und an jedem Ort, unabhängig von den äußeren Umständen.

Handwerk – Die ausführende Instanz

In den letzten Jahren höre ich immer wieder, dass zahlreiche Ausbildungsplätze im Handwerk unbesetzt bleiben, weil Jugendliche keine Lust mehr auf das Handwerk haben und ich frage mich, woran das liegt.
Möglicherweise werden Handwerksberufe als unchic oder zu anstrengend angesehen. Als unrentabel oder unbequem. Ich weiß es nicht. Aber, was ich weiß ist, dass wir Handwerker uns die Hände schmutzig machen. Wir verletzen uns. Wir schleppen uns kaputt. Wir schwitzen. Wir atmen Staub und fallen abends todmüde ins Bett. Aber wir sind es auch, die zusammen mit anderen Handwerkern auf Baustellen lachen, zusammenarbeiten, improvisieren und Lösungen in scheinbar aussichtslosen Situationen finden. Wir sind es, die an ihren Aufgaben täglich wachsen, die sich weiterentwickeln, weil sie es müssen; die für jedes neue Problem eine Lösung finden. Wir sind diejenigen, die allein gut sind, aber im Team die Welt verändern. Wir sind diejenigen, die die Welt wahrhaft auf-bauen. Wir sind diejenigen, die aus einer Idee, einer Konstruktionszeichnung Realität werden lassen können. Wir sind die ausführende Gewalt, diejenigen, die eine sichtbare Spur hinterlassen und mit Gefühl der Erfüllung eines sichtbaren Ergebnisses abends zufrieden ins Bett fallen.

Unsere Gesellschaft, unsere Welt ist abhängig von Menschen, die ihre Hände einsetzen. Sie ist abhängig von dem Werk der Hände und sie wird gleichzeitig auch von ihr zusammengehalten. Lasst uns nie vergessen, wer das Brot backt, das wir essen. Lasst uns nie vergessen, wer die Straßen baut, auf denen wir uns tagtäglich fortbewegen. Lasst uns nie vergessen, wer unsere Stühle baut, auf denen wir sitzen oder wer unsere Häuser mit schützenden Dächern deckt. Lasst uns nie vergessen, wer das Wasser in unsere Wohnung bringt und wer das Licht in unserem Zuhause erleuchten lässt.

Es sind Menschen, wunderbare, fähige Menschen, die ihre Hände in euren Dienst stellen. Und sie verdienen alles, aber vor allem unser aller Wertschätzung und unseren aufrichtigsten Dank. Also, Danke! Danke an euch alle, ihr wunderbaren Handwerker.

—Gina