Vom Neubeginn und Abschließen

Ich liebe Neubeginne. Das Kribbeln, das Jauchzen innerlich, das bunte Treiben eines Jahrmarktes in deiner Brust – funkelnde Augen. Alles entzündet. Vollkommen. Der Funke des Neubeginns – ich liebe ihn und ich kenne ihn gut.

Zu wissen, dass ein Neubeginn jederzeit möglich ist – die Freiheit im Atem zu spüren, die durchströmende Kraft der Unbegrenztheit – schenkt Hoffnung und verleiht innere Stärke. Kaum etwas auf dieser Erde lässt mich so lebendig fühlen, wie die Kraft des Neubeginns.

Doch was geschieht danach? Was bleibt am Ende von dem Neubeginn übrig? Was wird aus dem Neubeginn überlässt man ihn sich selbst? Was geschieht, wenn nichts damit geschieht? Er verpufft.

Die unbändige Kraft des Neubeginns löst sich spurlos auf, so als hätte sie nie existiert. Wieviel ungenutzte Neubeginne liegen dort, auf dem Friedhof des kreativen Funken? Der ein oder andere Neubeginn liegt dort womöglich zurecht. Vielleicht wäre das Feuer nach dem Anzünden des einzelnen Funken schon bald darauf wieder erloschen. Doch was ist mit den Funken, die voller Potenzial, voller innerer Wärme und Stärke unberührt verfallen?

So aufregend ein Neubeginn auch sein mag – so flüchtig ist er auch, wenn man nichts aus ihm macht. Stell dir vor, wozu diese Aufregung, diese Begeisterung, diese Liebe werden kann, wenn man sie nimmt, sie voller Hingabe pflegt, sie nährt und mit ihr arbeitet.

Etwas Neues, Größeres kann entstehen.

Es liegt ein ruhiger und herausfordernder Frieden in dem Weiterführen eines anfänglich entzündeten Funken. So als würde ein einzelnes, in sich taumelndes Samenkorn auf den warmen, schweren Ackerboden fallen, einsinken und schließlich in ihm Halt finden. Von dort aus erwachsen und Früchte tragen.

Viele Neubeginne habe ich bereits erfahren und ich weiß alles über sie – kenne sie so gut wie mich selbst. Sie sind meine Vertrauten – ihre Gewässer sind mir bestens bekannt.

Eine größere Herausforderung ist für mich das Abschließen. Das befriedigende Abschließen, das, wenn du vor deiner Kreation stehst, sie als vollendet ansiehst und einen Schritt zurück trittst. Fertig! Das Werk wird nun aus deinen Händen, deiner Obhut in die Welt entlassen. Es ist jetzt frei zu sein, was es wirklich ist. Wozu es erschaffen wurde.

Abschließen ist das Übergeben in die Grenzenlosigkeit. Und der notwendige Schritt, um aus einem flüchtigen Funken des Neubeginns greifbare Realität werden zu lassen.

—Gina